Der Dezember 1999 ist bekannt für das Auftreten von 3 intensiven Stürmen über Westeuropa. Anfang Dezember (03.-04.12.99) wütete "Anatol" über Dänemark und Norddeutschland und während des Zeitraums der Weihnachtsfeiertage (25.-28.12.99) sorgten "Lothar" und "Martin" für Extremwetter in der Schweiz, Italien, Frankreich und Süddeutschland. Dieser Artikel befasst sich ausschließlich mit der Orkanzyklone "Lothar" und dabei werden einige meteorologische Fachartikel (Ulbrich et al. 2001, Baleste et al. 2001, Wernli et al. 2002, Kurz 2002) für die Ereignisanalyse herangezogen.
Am 24. Dezember formierte sich während der ersten Tageshälfte (00 bis 12 UTC) ein Tiefdruckgebiet vor der nordamerikanischen Ostküste, welches den Namen "Lothar" erhielt. Anschließend gliederte sich dieses flache Tief in die hyperbarokline Frontalzone über dem Nordatlantik ein, wobei der zum Bodentief korrespondierende Kurzwellentrog nur in der unteren Troposphäre (850 hPa) ausgebildet war. Die über dem Nordatlantik vorherrschende Hyper-baroklinität führte zu einem sehr starken Jetstream mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 kn (370 km/h) in 300 hPa, der außerdem eine quasi-zonale Ausrichtung aufwies.
Am 25. Dezember um 00 UTC befand sich "Lothar" südöstlich von Neufundland auf der antizyklonalen Seite des Jetstreams und verlagerte sich in den Folgestunden allmählich unter den rechten Einzugsbereiches des Jetstreaks (Abb. 1, links) und damit in ein Gebiet mit starken quasi-geostrophischen Hebungsantrieben (Höhendivergenz und differentielle PVA). Folglich konnte sich der Kerndruck des Tiefs bis 12 UTC um 10 hPa auf etwa 990 hPa vertiefen. Gleichzeitig kam es jedoch zu einer signifikanten Strukturänderung des Jetstreams: Der Jetstreak vor Westeuropa schwächte sich ab und es bildete sich ein neues Jetmaximum östlich von Neufundland (Abb. 1, rechts). Demnach lag "Lothar" um 12 UTC unter dem rechten Auszugsbereich des neu entstandenen Jetstreaks, wo nur wenig Divergenz vorhanden war (Abb. 1, rechts). Diese wenig förderlichen Bedingungen führten zu einer zwischenzeitlich gehemmten Zyklogenese, so dass eine relativ geringe Vertiefung von "Lothar" bis 18 UTC erfolgte.
Die geschilderte Entwicklung von "Lothar" kann auch mithilfe des "IPV-thinking" behandelt werden (IPV = Isentrope Potentielle Vorticity). Am Anfang seines Lebenszyklus zeigten numerische Analysen eine positive PV-Anomalie in der unteren Troposphäre (850 hPa), die sehr nah am Drehzentrum des Tiefs lag und sich in einer stark baroklinen Zone befand (Abb. 4). Diese niedertroposphärische PV-Anomalie wurde durch diabatisches Heizen (Freisetzen latenter Wärme durch Kondensation) induziert, das durch die kontinuierliche Hebung der von "Lothar" mitgeführten maritimen Subtropikluft und durch die positiven Anomalien der nordatlantischen Meeresoberflächentemperaturen sehr intensiv ablief. Entsprechend blieb das mit dem Bodentief verbundene PV-Maximum in der niederen Troposphäre während der Verlagerung in Richtung Westeuropa intakt. Dabei wies "Lothar" einen diabatischen Rossby-Wellen-Charakter auf.
Zusammenfassend ist zu konstatieren, dass der mesoskalige Orkanwirbel "Lothar" eine recht außergewöhnliche Zyklogenese durchlief, die anfangs einen diabatischen Rossby-Wellen-Charakter besaß und im späteren Verlauf dem Norwegischen Zyklonenmodell entsprach (z.B. Ausbildung ausgeprägter Kaltfront). Essentiell für die bemerkenswerte Vertiefung zwischen 00 und 06 UTC waren zum einen die Strukturänderungen des nordatlantischen Jetstreams und die Bildung des Sekundär-Jets über Europa, wodurch "Lothar" unter ein Gebiet mit sehr starken quasi-geostrophischen Hebungsimpulsen gelangte. Zum anderen waren die diabatischen Prozesse entscheidend für die Entstehung der niedertroposphärischen positiven PV-Anomalie, die dann während der Phase unter der zyklonalen Jetflanke durch eine "bottom-up"-Entwicklung und durch Induzierung einer Dry Intrusion maßgeblich zur Intensivierung von "Lothar" beitrug.
Referenzen:
Baleste, M.C., H. Brunet, A. Mougel, J. Coiffier, N. Bourdette und P. Bessemoulin (2001): Les tempêtes exceptionnelles de Noël 1999. Phénomènes remarquables, 7, Météo-France, 99 Seiten.
Kurz, M. (2002): Die Dezemberstürme 1999. Selbstverlag des Deutschen Wetterdienstes, 23 Seiten.
Ulbrich, U., A.H. Fink, M. Klawa und J.G. Pinto (2001): Three extreme storms over Europe in December 1999. Weather, 56, 70-80.
Wernli, H., S. Dirren, M.A. Liniger und M. Zillig (2002): Dynamical aspects of the life cycle of the winter storm 'Lothar' (24-26.12.199). Q.J.R. Meteorol. Soc., 128, 405-429.
Am 24. Dezember formierte sich während der ersten Tageshälfte (00 bis 12 UTC) ein Tiefdruckgebiet vor der nordamerikanischen Ostküste, welches den Namen "Lothar" erhielt. Anschließend gliederte sich dieses flache Tief in die hyperbarokline Frontalzone über dem Nordatlantik ein, wobei der zum Bodentief korrespondierende Kurzwellentrog nur in der unteren Troposphäre (850 hPa) ausgebildet war. Die über dem Nordatlantik vorherrschende Hyper-baroklinität führte zu einem sehr starken Jetstream mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 kn (370 km/h) in 300 hPa, der außerdem eine quasi-zonale Ausrichtung aufwies.
Am 25. Dezember um 00 UTC befand sich "Lothar" südöstlich von Neufundland auf der antizyklonalen Seite des Jetstreams und verlagerte sich in den Folgestunden allmählich unter den rechten Einzugsbereiches des Jetstreaks (Abb. 1, links) und damit in ein Gebiet mit starken quasi-geostrophischen Hebungsantrieben (Höhendivergenz und differentielle PVA). Folglich konnte sich der Kerndruck des Tiefs bis 12 UTC um 10 hPa auf etwa 990 hPa vertiefen. Gleichzeitig kam es jedoch zu einer signifikanten Strukturänderung des Jetstreams: Der Jetstreak vor Westeuropa schwächte sich ab und es bildete sich ein neues Jetmaximum östlich von Neufundland (Abb. 1, rechts). Demnach lag "Lothar" um 12 UTC unter dem rechten Auszugsbereich des neu entstandenen Jetstreaks, wo nur wenig Divergenz vorhanden war (Abb. 1, rechts). Diese wenig förderlichen Bedingungen führten zu einer zwischenzeitlich gehemmten Zyklogenese, so dass eine relativ geringe Vertiefung von "Lothar" bis 18 UTC erfolgte.
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| Abb. 3: Bodenanalysekarten vom 26.12.99 um 00 UTC, 03 UTC, 06 UTC, 09 UTC, 12 UTC und 15 UTC (von links nach rechts, von oben nach unten). Quelle: Kurz (2002). |
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| Abb. 6: Auswahl an gemessenen Windspitzen (in km/h) während der Passage des Orkantiefs "Lothar" am 26.12.99. |
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| Abb. 7: Infrarotes Bild eines polarumlaufenden Satelliten vom 26.12.99 um 08 UTC. Quelle: Dundee Satellite Receiving Station. |
Referenzen:
Baleste, M.C., H. Brunet, A. Mougel, J. Coiffier, N. Bourdette und P. Bessemoulin (2001): Les tempêtes exceptionnelles de Noël 1999. Phénomènes remarquables, 7, Météo-France, 99 Seiten.
Kurz, M. (2002): Die Dezemberstürme 1999. Selbstverlag des Deutschen Wetterdienstes, 23 Seiten.
Ulbrich, U., A.H. Fink, M. Klawa und J.G. Pinto (2001): Three extreme storms over Europe in December 1999. Weather, 56, 70-80.
Wernli, H., S. Dirren, M.A. Liniger und M. Zillig (2002): Dynamical aspects of the life cycle of the winter storm 'Lothar' (24-26.12.199). Q.J.R. Meteorol. Soc., 128, 405-429.







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