Pseudopotentielle Temperatur

Die pseudopotentielle Temperatur ist die Temperatur die ein Luftpaket annimmt, wenn es vom Ausgangsniveau hypothetisch pseudoadiabatisch bis in die Höhe gehoben wird, in der kein Wasserdampf mehr im Luftpaket vorhanden ist (Auskondensierung der gesamt enthaltenen Feuchte) und anschließend trockenadiabatisch in die Höhe von 1000 hPa gebracht wird. Dann gilt näherungsweise mit dem Mischungsverhälnis (m in kg/kg) und der spezifischen Verdampfungswärme von Wasser (L in J/kg):


Von entscheidender Bedeutung ist die Tatsache, dass bei der Kondensation des in der Luft enthaltenen Wasserdampfes eine nicht unerhebliche Kondensationswärme freigesetzt wird, welche die trockenadiabatische Abkühlungsrate der Luft von 1°C pro 100 Meter Höhenzunahme um so mehr reduziert, je mehr Wasser auskondensiert. Folglich wird mit der pseudopotentiellen Temperatur im Vergleich zur messbaren Temperatur auch die in der feuchten Luft enthaltene latente Wärme berücksichtigt.
Das Temperaturmaß "pseudopotentielle Temperatur" ermöglicht somit einen besseren Vergleich zwischen zwei unterschiedlichen Luftmassen. Beispielsweise lässt sich kühle Subtropikluft von erwärmter Polarluft anhand der gemessenen Temperaturen kaum trennen. Zieht man dagegen die pseudopotentiellen Temperaturen zu Rate, so lassen sich die beiden Luftmassen deutlich voneinander unterscheiden. Aufgrund der höheren absoluten Feuchte ist die der Subtropikluft deutlich höher als die der Polarluft.

Achtung: In der englischsprachigen Literatur wird die pseudopotentielle Temperatur fälschlicherweise als „equivalent potential temperature“ bezeichnet. Dadurch kommt es zu Verwirrungen mit der äquivalent-potentiellen Temperatur, die sich von der pseudopotentiellen Temperatur unterscheidet.


Referenz:
Fink, A. (2012): Synoptische Meteorologie. Vorlesungsskript, Universität zu Köln.
Wetterlexikon der Agrarmeteorologie Rheinland-Pfalz.