Synoptische Ausgangslage
Am 19. Juli um 00 UTC befand sich Luxemburg leicht südlich der mäandrierenden Frontalzone im Bereich einer westsüdwestlichen Höhenströmung (Abb. 1, Mitte). Westlich von Großbritannien lag ein markanter Höhentrog mit Kern über Irland und südöstlich davon zeigte die Höhenströmung über Nordwestfrankreich eine zyklonale Krümmung, die ein starkes PVA-Feld in 500 hPa induzierte, welches auf die Großregion übergriff. Zudem generierte der rechte Eingangsbereich eines sekundären Jetstreaks entlang der Nordseeküste markante Höhendivergenzen über Nord-frankreich, Belgien und Luxemburg (Abb. 1, rechts). Dementsprechend lieferte die vorherrschende Strömungs-konstellation in der mittleren und oberen Troposphäre signifikante quasi-geostrophische Hebungsantriebe.
Im Bodenniveau herrschten im Allgemeinen schwache Luftdruckgegensätze und ein Tiefdruckkomplex befand sich über dem Europäischen Nordmeer und Skandinavien. Dessen Kaltfront schleifte über Mitteleuropa und trennte eine labile und sehr warme Luftmasse im Süden von einer mäßig warmen, stabilen und recht trockenen Luftmasse im Norden. Über Norddeutschland lag ein schwaches Zwischenhoch, wohingegen eine Welle über Frankreich für erhöhte Wetteraktivität sorgte (Abb. 2).
| Abb. 2: Ausschnitt aus der Bodenanalysekarte vom 19.07.15 um 00 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst. |
Die vertikale Verteilung der Feuchte und die thermische Vertikalstruktur sowie das vertikale Windprofil der Troposphäre im Bereich der Warmfront liegenden Hebungszone werden nun näher untersucht. Dabei wird der 00 UTC Radiosondenaufsteig aus Idar-Oberstein (ca. 60 km östlich von Wasserbillig) herangezogen (Abb. 3). Dieser zeigte eine vom Boden ausgehend 500 m dicke, nahezu isotherme Schicht (nächtliche Ausstrahlung der Erdoberfläche) und oberhalb davon lag bis in etwa 550 hPa eine feuchtlabile Schichtung vor (Lapse Rate von ~ 19°C zwischen 850 und 600 hPa). Die obere Hälfte der Troposphäre war annähernd feuchtindifferent geschichtet, wobei sich die Tropopause in rund 12 km Höhe befand. Aus diesem Vertikalprofil ergab sich für ein vom 860-hPa-Niveau pseudoadiabatisch gehobenen Luftpaket ein MU CAPE von ungefähr 450 J/kg und ein MU CIN von etwa -30 J/kg. Das ausfällbare Niederschlagswasser der gesamten Troposphäre belief sich auf 33 mm. Weiterhin betrug die hochreichende Geschwindigkeitsscherung des Windes (DLS) ca. 16 bis 19 m/s und die markante Rechtsdrehung des Windes in den untersten 2000 m (Ekman-Spirale und WLA) sorgte für leicht erhöhte Helizitätswerte (SRH 0-3 km ~ 200 m²/s²).
Zusammenfassend kann auf Basis der gesamten synoptischen Ausgangssituation schlussgefolgert werden, dass es zu einer Überlappung von niedriger Labilitätsenergie (bezogen auf das instabilste Luftpaket), starker Windscherung und signifikanten synoptischskaligen Hebungsimpulsen kam, so dass das Auftreten von markanter hochreichender Feuchtekonvektion möglich war.
Zusammenfassend kann auf Basis der gesamten synoptischen Ausgangssituation schlussgefolgert werden, dass es zu einer Überlappung von niedriger Labilitätsenergie (bezogen auf das instabilste Luftpaket), starker Windscherung und signifikanten synoptischskaligen Hebungsimpulsen kam, so dass das Auftreten von markanter hochreichender Feuchtekonvektion möglich war.
Ablauf des konvektiven Wettergeschehens
Zwischen 00:45 und 01:15 Ortszeit kam es im Bereich der nordfranzösischen Ortschaft Bar-le-Duc (Lothringen) leicht südlich der Warmfront zur Auslöse hochreichender Konvektionszellen (Abb. 4, rechts), die im weiteren Verlauf von einem sich langsam ausbildenden Wolkencluster beherbergt wurden (markiert mit einem weißen Pfeil in Abb. 4, links).
Der relativ kräftige mehrzellige Gewitterherd (Abb. 5, rechts) überquerte bzw. streifte mit moderater Blitzintensität den äußersten Süden und Südosten von Luxemburg zwischen 02:45 und 03:45 Ortszeit (Abb. 5, links), ohne dabei einen allzu hohen Grad an Organisation aufzuzeigen. Dabei wiesen die Zellkerne größtenteils maximale Reflektivitäten von bis zu 55 dBZ auf. Über der Nordgrenze des Saarlands konnte sich die Gewitteraktivität deutlich verstärken.
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| Abb. 5: Detektierte Blitze (Erd- und Wolkenblitze) zwischen 00:00 und 02:00 UTC (links) und Niederschlagsradarbild um 01:10 UTC. Quellen: nowcast GmbH, MeteoGroup. |
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| Abb. 6: Detektierte Blitze (Erd- und Wolkenblitze) zwischen 02:30 und 04:30 UTC (links) und Niederschlagsradarbild um 03:30 UTC (rechts). Quellen: nowcast GmbH, MeteoGroup. |





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