Synoptische Ausgangslage
Am 13. August um 12 UTC erstreckte sich ein Höhenrücken von Algerien über Italien bis nach Polen, so dass Mittel-europa unter hohem Geopotential lag (Abb. 1, Mitte). Über der Biskaya war ein Cut-Off zu finden, welcher im weiteren Verlauf aufgrund der allmählichen Verbindung mit dem Höhentrog bei Island eine negative Neigung erfuhr. Da-zwischen lag die Großregion unter einer südlichen Höhenströmung, die für leichte Warmluftadvektion sorgte, so dass die 15°C-Isotherme um 18 UTC bis zur deutschen Nordseeküste vorstieß. Im Allgemeinen waren die ober-troposphärischen Winde im Randbereich des Cut-Offs nicht besonders stark, da nur sehr schwache Baroklinität in der mittleren Troposphäre vorhanden war. Demzufolge konnte an der Südflanke des Cut-Offs ein schwacher Jetstream analysiert werden (Abb. 1, rechts).
Im Bodendruckfeld lag korrespondierend zum Höhentief über der Biskaya ein amorphes Tief über Frankreich, wobei sich im Laufe des späten Nachmittags und des Abends eine zonale Tiefdruckrinne vom Ärmelkanal über Belgien bis in den Südosten Deutschlands ausbildete. Darin eingelagert lag ein Frontensystem mit einer Warmfront (über den Niederlanden und Norddeutschland) und einer leicht wellenden Kaltfront (über Westfrankreich und dem Balearen-Meer). Im Warmsektor befand sich eine bodennahe Windkonvergenz, die auf die Großregion übergriff (Abb. 2).
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| Abb. 2: Ausschnitt aus der Bodenanalysekarte vom 13.08.15 um 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst. |
Die vertikale Verteilung der Feuchte und die thermische Vertikalstruktur sowie das vertikale Windprofil der Troposphäre im Bereich der in der Großregion präsenten Luftmasse werden nun näher untersucht. Dabei wird der 11 UTC Radiosondenaufsteig aus Idar-Oberstein (ca. 60 km östlich von Wasserbillig) herangezogen (Abb. 3). Dieser zeigte eine feuchte und gut durchmischte Grenzschicht bis in 900 hPa (mittleres Mischungsverhältnis ~ 12 g/kg) und oberhalb davon war die untere Troposphäre etwas trockener geschichtet. Zwischen 900 und 700 hPa betrug die Temperatur-abnahmerate (Lapse Rate) rund 8°C pro km. Generell besaß die gesamte Troposphäre einen relativ hohen Feuchtegehalt (ausfällbares Niederschlagswasser ~ 33 mm), wobei ein markanter Einschub trockener Luft im Bereich von 400 hPa zu verzeichnen war. Die Tropopause lag in etwa 13 km Höhe. Insgesamt resultierte aus diesem bedingt labil geschichteten Vertikalprofil ein ML CAPE von 560 J/kg (SB CAPE ~ 1360 J/kg) und ein ML CIN von -180 J/kg (SB CIN ~ -85 J/kg). Die hochreichende Windscherung war hingegen nur schwach ausgeprägt (12 bis 14 kn in ca. 6 km Höhe).
Zusammenfassend kann auf Basis der gesamten synoptischen Ausgangssituation schlussgefolgert werden, dass an diesem Tag ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von hochreichender Feuchtekonvektion vorherrschte.
Zusammenfassend kann auf Basis der gesamten synoptischen Ausgangssituation schlussgefolgert werden, dass an diesem Tag ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von hochreichender Feuchtekonvektion vorherrschte.
Ablauf des konvektiven Wettergeschehens
Bereits im Verlauf des Nachmittags (13 bis 14 UTC) entwickelten sich mehrere Gewitterherde entlang einer Konvergenz bzw. Bodenrinne südlich der belgisch-französischen Grenze, die sich zu einer mesoskaligen Gewitterlinie organisierten. Dieser lineare und sehr blitzaktive MCS zog mit teils bogenförmigen Segmenten, konvektiven Neuentwicklungen an dessen Ostflanke und nordwestlicher Zugrichtung über Belgien hinweg (Abb. 4, links). Über dem Großherzogtum fielen diese Neuentwicklungen jedoch wesentlich schwächer aus als über belgischem Boden (Abb. 4, rechts). Dennoch produzierten die konvektiven Zellen zum Teil starke Abwinde, so dass es lokal für starke bis stürmische Böen reichte (Quelle: Kachelmann GmbH), wie z.b. in Petingen (67 km/h) un Steinfort (61 km/h).
Zwischen 18 und 19 UTC kam es dann über dem Nordosten von der französischen Region Lothringen zur erneuten Auslöse von Konvektion. Die dort entstandenen Gewitter nahmen während der weiteren nordwestwärtigen Verlagerung in Richtung Südluxemburg mehrzellige Strukturen an (Abb. 5, Mitte). Gegen 19:30 UTC erreichten die Gewitter mit mäßiger Blitzaktivität, und ohne einen allzu hohen Grad an Organisation aufzuzeigen, den Südwesten Luxemburgs, wobei sich die elektrische Aktivität nach dem Eintreffen allmählich abschwächte (Abb. 5, links). Zur gleichen Zeit konnten konvektive Neuentwicklungen im Bereich der Hauptstadt beobachtet werden, woraus weitere schwache Multizellengewitter hervorgingen, die in den Nordwesten Luxemburgs zogen (Abb. 5, Mitte und rechts).
Während der Passage der Gewitter konnten lokal markante Niederschlagsakkumulationen verzeichnet werden. Innerhalb von 9 Stunden (13.08. 15 UTC bis 14.08. 00 UTC) fielen beispielweise in Wiltz 24 mm Regen, doch im Allgemeinen lagen die 9-stündigen Niederschlagsmengen in weiten Teilen Luxemburgs zwischen 5 und 15 mm (Quelle: Kachelmann GmbH, ASTA).
Abschließend folgen ein paar visuelle Eindrücke der Blitzaktivitäten dieser Mehrzellengewitter:
Abschließend folgen ein paar visuelle Eindrücke der Blitzaktivitäten dieser Mehrzellengewitter:







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