Medicane QENDRESA I am 07. November 2014

In der Nacht vom 06. auf den 07. November ging aus einem schmalen und langwelligen Höhentrog über Westeuropa ein Abtropfprozess hervor (Abb. 1). Der daraus resultierende Cut-Off  positionierte sich am 07. November um 12 UTC zwischen Nordtunesien und Sizilien, mit dem dazu gehörigen Bodentief.  Zudem kam es zu einer Erwärmung des Höhentiefkerns.

Abb. 1: Animation der Analyse des 500 hPa Geopotentialfeldes und der 500 hPa Temperatur vom amerikanischen GFS-Modell |
06.11. 00 UTC bis 08.11. 00 UTC  | © wetter3
Im Laufe des Vormittags konnte sich das oben erwähnte Bodentief QENDRESA I bis auf einen Kerndruck von 992 hPa vertiefen (Quelle: Messwert der Wetterstation auf der italienischen Insel Pantelleria um 08 UTC). Dabei bildete sich langsam einen klar strukturierten und größtenteils wolkenfreien Tiefkern aus, welches man auch als "Auge" bezeichnen könnte (Abb. 2). Dies war auf das sich langsam erwärmende Tiefzentrum und auf die zirkum-geordnete Konvektion (Kondensation der verdunsteten warmen Meeresluft) zurückzuführen, wodurch im Zentrum Absinkbewegungen und somit Wolkenauflösung einsetzten.
Hervorgerufen wurde die Zyklogenese höchstwahrscheinlich durch das thermodynamische Ungleichgewicht zwischen dem Meer und der mittleren Troposphäre: Meeresoberflächentemperaturen bis zu 24 °C und bis zu -20 °C in 500 hPa (Abb. 1). 

Abb. 2: RGB-Satellitenbildanimation von 07 bis 10 UTC | © MeteoGroup
Die recht scherungsschwache Umgebung begünstigte die Entwicklung einer nahezu symmetrischen Struktur, die das Tief während seiner Ost-Verlagerung in Richtung Malta adoptierte (Abb. 3).  Im Laufe des Nachmittags konnte sich der Tiefdruckwirbel bis auf einen Minimaldruck von 979 hPa weiter vertiefen (Quelle: Messwert einer privaten Davis-Wetterstation in St. Pauls Bay (Malta) um 17:30 UTC), so dass man davon ausgehen kann, dass er seine Energie fast ausschließlich aus dem relativ warmen Oberflächenwasser des zentralen Mittelmeeres bezog. Die labile Schichtung der unteren Troposphäre und die dadurch generierte Konvektion führten zur Freisetzung von latenter Wärme, die vermutlich einen hohen Anteil an der Intensivierung von QENDRESA I hatte. Dynamische Einflüsse waren allenfalls nur kurz nach dem abgeschlossenen Abtropfprozess durch horizontale Temperaturgegensätze in der mittleren Troposphäre (Baroklinität) von Bedeutung.

Abb. 3: RGB-Satellitenbild vom 07.11. um 15 UTC | © MeteoGroup
Dementsprechend eignete sich das Druckgebilde nach und nach auch subtropische/tropische Eigenschaften an, wie z.B. die Ausbildung eines sehr scharfen Druckgradienten rund um das niederschlags- und wolkenfreie "Auge". Diese extreme Drängung der Isobaren auf kleinstem Raum, die stellenweise für extreme Orkanböen sorgte, wurde am 07.11. vom 03 UTC-Lauf des hochaufgelösten MOLOCH-Modells sehr gut simuliert, sowie auch der niedertroposphärisch angesiedelte warme Kern des tropensturmähnlichen Tiefs (Abb. 4). Die Zugbahn und -geschwindigkeit wurde jedoch vom europäischen Globalmodell ECMWF genauer simuliert als vom italienischen Wettermodell.

Abb. 4: 18 UTC-Vohersage des Bodendrucks und der 850 hPa Temperatur vom MOLOCH-Modell am 07.11. | © CNR-ISAC
Nachdem QENDRESA I im Laufe des Abends über Malta hinwegzog, schlug das Tief einen Nordostkurs ein und erreichte in der Nacht vom 07. auf den 08. November das Seegebiet vor der Ostküste Siziliens. Dabei konnte man auf den Radarbildern erkennen, wie sich die Konvektion in der "eyewall" (Wolkenband um den Tiefkern) intensivierte (Abb. 5). Ausgangs der Nacht schwächte sich das Bodentief zunehmend ab.

Abb. 5: Niederschlagsradaranimation vom 07. auf den 08.11. | 23 bis 06 UTC | © Protezione Civile
Dieser über dem zentralen Mittelmeerraum aufgetretene kleinräumige Sturmwirbel, der sowohl tropische als auch außertropische Sturmeigenschaften besaß, kann somit als TLC (Tropical-Like Cyclone) oder Medicane (Zusammensetzung aus "mediterranean" und "Hurricane") bezeichnet werden.

Gemessene Windspitzen während der Passage von QENDRESA I:

St. Pauls Bay (Malta)
Lampedusa (Italien)
Luqa (Malta)
Linosa (Italien
Catania (Italien)
154 km/h
135 km/h
119 km/h
98 km/h
93 km/h


Abb. 6: IR-Satellitenbildanimation der gesamten Entwicklung von QENDRESA I am 07. und 08.11. (Zyklogenese und Zyklolyse)
© EUMETSAT, RAMSAT




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