Synoptische Situation
Am 20. Juni 2013 um 18 UTC befand sich ein Langwellentrog über Westeuropa, dessen primäre Trogachse über der Iberischen Halbinsel zu finden war. Das zum Trog korrespondierende Höhentief war über der Bretagne positioniert und an der östlichen Flanke des langwelligen Troges bildete sich ein kurzwelliger Anteil mit sekundärer Trogachse über dem Osten Frankreichs aus (Abb. 1).
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| Abb. 1: Analyse des Geopotentials und der Temperatur in 500 hPa / © wetter3 |
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| Abb. 2: Analyse des Geopotentials und der Vertikalbewegung in 500 hPa / © wetter3 |
Im Bodendruckfeld war ein Tief über Südengland auszumachen, dessen zur Wellenbildung neigende Frontensystem sich im Laufe des Nachmittags der Großregion von Süden her annäherte (Abb. 3). Die Front lag frontogenetisch günstig unter der Vorderseite des oben erwähnten kurzwelligen Randtroges, so dass sie Hebungsantrieb durch PVA erfuhr (Abb. 2).
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| Abb. 3: Bodenanalyse 18 UTC / © Deutscher Wetterdienst |
Thermodynamische Umgebung
Die höchste Temperatur wurde an
diesem Tag mit knapp 27 °C in Ettelbrück gemessen, wobei der Taupunkt am
Nachmittag zwischen 16 und 19 °C variierte (MeteoGroup-Messnetz). Als
Referenz für die vertikale Schichtung der Atmosphäre und für die
Bestimmung der jeweiligen Konvektionsindizes werden nun an dieser Stelle
die Daten
des Radiosondenaufstiegs vom 20.06.2014 um 18 UTC aus Idar-Oberstein
(Rheinland-Pfalz) verwendet. In
Abb. 3
ist das dazu gehörige thermodynamische Diagramm in Form eines schrägen T-log(p)-Diagramms dargestellt. Die rechte schwarze
Zustandskurve ist der Temperaturverlauf und die linke Kurve der Verlauf des Taupunkts. Rechts
neben dem Diagramm sind die Windpfeile für die entsprechenden Höhen angegeben.
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| Abb. 3 / © University of Wyoming |
Nun folgt eine Auflistung der wichtigsten Parameter:
- 500 hPa Temperatur: -13,1 °C
- 500 hPa Wind: 37 kn (69 km/h)
- 850 hPa Temperatur: +13,6 °C
- 850 hPa Wind: 6 kn (11 km/h)
- 850 hPa pseudopotentielle Temperatur: 52°C ==> Luftmassentyp: Südeuropäische Subtropikluft (xS)
- Surface-Based Lifted Index (500 hPa): -2 °C
- Surface-Based CAPE: ca. 300 J/kg ==> leichte latente Instabilität
- Surface-Based CIN: ca. -50 J/kg ==> leichte bis mäßige konvektive Hemmung
- Höhe der Tropopause: 11 bis 12 km
- Ausfällbares Niederschlagswasser (PWAT): 26 mm
- Windscherung 0-3 km: 17,5 m/s
- Windscherung 0-6 km (DLS): 21,2 m/s
In Bodennähe war eine dünne überadiabtiache Schicht vorzufinden und darüber erstreckte sich eine trockenindifferente Schichtung bis in 850 hPa. Oberhalb dieser gut durchmischten Luftschicht war die Troposphäre bedingt labil geschichtet, wobei die Inversion im Bereich von 750 hPa die Labilitätswerte (CAPE, LI) in Grenzen hielt. In Kombination mit der moderaten bis starken niedertroposphärischen und hochreichenden Geschwindigkeitsscherung des Windes waren jedoch günstige Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Multizellengewittern gegeben. Die starke Höhenströmung (50 kn in 400 hPa) und Einschübe trockener Luft in der mittleren Troposphäre erhöhten auch das Risiko für Gewitterfallböen (eng. downbursts) durch vertikalen Impulstransport und Verdunstungskälte.
Verifikation
Die Frontogenese erfolgte größtenteils über den französischen Regionen Lothringen und Elsass. Dabei wurde im Laufe des späten Nachmittags hochreichende Feuchtekonvektion entlang der Kaltfront ausgelöst (Abb. 4), wobei zu diesem Zeiptunkt bereits ein Großteil der latenten Energie von den vorangegangenen Gewitter vebraucht wurde. Die troposphärische Dynamik und Kinematik war jedoch umso ausgeprägter.
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| Abb. 4: RGB-Satellitenbildanimation 15 bis 18 UTC / © MeteoGroup |
Gegen 17:30 UTC organisierten sich die konvektiven Zellen
zu einer mehr oder minder gut ausgeprägten Multizellenlinie über
Lothringen. Diese Gewitterlinie zog dann zwischen 18:00 und 19:20 UTC
mit einer mittleren Geschwindigkeit von 40 km/h über Luxemburg hinweg (Abb. 5). Als sich die relativ schmale konvektive Linie dem Radarstandort Neuheilenbach näherte, traten bei der Radarmessung signifikante Dämpfungseffekte auf, die auf starke Niederschlagskerne innerhalb der Konvektion zurückzuführen sind.
Abschließend noch ein visueller Eindruck der aufziehenden Kaltfrontgewitter aus Redingen:
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