Windscherungen sind plötzliche scharfe Änderungen der Richtung und/oder der Geschwindigkeit des
Windes,
hervorgerufen durch das Aneinandervorbeiströmen zweier unmittelbar benachbarter Luftschichten, die jeweils
unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Es gibt sowohl horizontale als auch vertikale Windscherungen. Die vertikalen Windscherungen treten bei unterschiedlichen Luftströmungen an den Grenzflächen unmittelbar
übereinander befindlicher Luftschichten auf. Sie können sowohl durch verschiedene Windrichtungen (Richtungsscherung) als auch
durch unterschiedliche Windgeschwindigkeiten hervorgerufen werden (Geschwindigkeitsscherung).
Windscherungen können Luftturbulenzen hervorrufen, welche insbesondere für die Luftfahrt gefährlich sind.
Sie können bei einem in der Luft befindlichen Flugzeug zu strukturellen Überlastungen führen und ein heftiges
Durchsacken oder Hochsteigen des Flugzeugs bewirken.
Relevant ist die Scherung vor allem, wenn sich bei genügender Labilität konvektive Aufwinde, Schauer und Gewitter entwickeln. Bei nennenswerter Scherung werden dann Niederschlags- und Aufwindbereich getrennt. Im Gegensatz zum reinen Wärmegewitter stört die Niederschlagsabkühlung den Aufwind damit nicht, die Gewitterzellen können sich länger halten und stärker entwickeln. In Anwesenheit einer Koexistenz von Richtungs- und Geschwindigkeitsscherung können sie auch in Rotation geraten und sich zu Superzellen weiterentwickeln (meistens in Präsenz eines rechtsdrehenden Windes mit der Höhe, engl.: "veering"). Dieser Parameter ist außerdem wichtig für die Entscheidung, ob in Schauern oder Gewittern Tornados auftreten können oder nicht. Je größer Richtungs- und Geschwindigkeitsscherung sind, desto größer ist die Gefahr für Tornados.
In der Regel unterscheidet man zwischen niedertroposphärischer Windscherung (engl.: "low level shear" bzw. LLS) und hochreichender Windscherung (engl.: "deep layer shear" bzw. DLS). Erstere bezieht sich auf den Bereich von 0 bis 1 km und letztere auf den Bereich von 0 bis 6 km.
Allgemeine Interpretation Low Level Shear:
< 8 m/s schwache Scherung8 bis 15 m/s mäßige Scherung
15 bis 18 m/s starke Scherung
18 bis 22 m/s sehr starke Scherung
> 22 m/s extreme Scherung
Allgemeine Interpretation Deep Layer Shear:
< 10 m/s schwache Scherung10 bis 20 m/s mäßige Scherung
20 bis 30 m/s starke Scherung
30 bis 45 m/s sehr starke Scherung
> 45 m/s extreme Scherung
Quellen: Deutscher Wetterdienst, Österreichische Unwetterzentrale