Präfrontale Gewitter am 28. Mai 2013

Synoptische Situation

Am 28. Mai um 12 UTC erstreckte sich eine Langwellentrog von Island bis zu den Pyrenäen und über Osteuropa lag ein zonal ausgerichteter Höhentrog mit Drehzentrum über Polen (Abb. 1). Demnach befand sich die Großregion unter einer südlichen und zyklonal gekrümmten Höhenströmung. Über der östlichen Hälfte Frankreichs besaß der langwellige Höhentrog an seiner südöstlichen Flanke ein markantes Hebungsfeld, das im Laufe des Nachmittags auf Luxemburg und Belgien übergriff. 

Abb. 1: Analyse der Temperatur und des Geopotentials in 500 hPa um 12 UTC | © wetter3
Im Bodendruckfeld korrespondierte der westeuropäische Höhentrog mit einer Tiefdruckzone über den Britischen Inseln. Ein größtenteils okkludiertes Frontensystem war in diese Zone eingelagert und präfrontal erstreckte sich eine Konvergenzlinie von Südfrankreich bis nach Belgien (Abb. 2), die in Bodennähe für Hebungsantrieb sorgte.

Abb. 2: Bodenanalyse um 12 UTC | © Deutscher Wetterdienst


Thermodynamische Umgebung

Die höchste Temperatur wurde an diesem Tag mit 23°C in Ettelbrück gemessen, wobei der Taupunkt am Nachmittag zwischen 9 und 13°C variierte (Quelle: MeteoGroup-Messnetz). Als Referenz für die vertikale Schichtung der Atmosphäre und für die Bestimmung der jeweiligen Konvektionsindizes werden nun an dieser Stelle die Daten des 12 UTC Radiosondenaufstiegs aus Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) verwendet. In Abb. 3 ist das dazu gehörige thermodynamische Diagramm in Form eines schrägen T-log(p)-Diagramms dargestellt. Die rechte schwarze Zustandskurve ist der Temperaturverlauf und die linke Kurve der Verlauf des Taupunkts. Rechts neben dem Diagramm sind die Windpfeile für die entsprechenden Höhen angegeben. 
Abb. 3 | © University of Wyoming
Nun folgt eine Auflistung der wichtigsten Parameter:
  • 500 hPa Temperatur: -20,9°C
  • 500 hPa Wind: 17 kn (32 km/h)
  • 850 hPa Temperatur: +7,0°C
  • 850 hPa Wind: 12 kn (22 km/h)
  • 850 hPa pseudopotentielle Temperatur: 36°C
    ==> Luftmassentyp: Festlandsluft/gealterte Meeresluft
  • 850 - 600 hPa Lapse Rate: 18,9°C
  • Mixed-Layer Lifted Index (500 hPa): +1,4°C
  • Surface-Based Lifted Index (500 hPa): -0,6°C
  • Mixed-Layer CAPE: 0 bis 50 J/kg
  • Surface-Based/Most-Unstable CAPE: 200 bis 300 J/kg
    ==> schwache 
    latente Instabilität
  • Surface-Based CIN: 0 J/kg ==> keine konvektive Hemmung
  • Höhe der Tropopause: 10 bis 11 km
  • Schichtdicke 1000/500 hPa: 5495 gpm
  • Ausfällbares Niederschlagswasser (PWAT): 16 mm
  • Windscherung 0-6 km (DLS): 5,8 m/s
Vom Boden bis in 800 hPa war die Troposphäre gut durchmischt bzw. trockenindifferent geschichtet. Zwischen 850 und 350 hPa war eine annähernd feuchtindifferente bzw. trockenstabile Schichtung vorhanden. Aufgrund niedriger CAPE-Werte und schwacher hochreichender Windscherung war die Entwicklung unwetterartiger und organisierter Konvektion unwahrscheinlich. 


Verifikation

Die ersten Gewitter entwickelten sich entlang der Konvergenzzone nahe der belgisch-französischen Grenze nördlich von Verdun gegen 12:15 UTC. Im weiteren Verlauf kam es zur Auslöse hochreichender Feuchtekonvektion über dem Elsass, Saarland und Luxemburg (Abb. 4). 

Abb. 4: RGB-Satellitenbildanimation 11 bis 14 UTC | © MeteoGroup
Die Konvektion besaß größtenteils eine mehrzellige Struktur und eine nördliche Zugrichtung (Abb. 5). Die konvektiven Zellen waren unorganisiert und eher chaotisch verteilt. Die gewittrigen Schwerpunkte zwischen 14:00 und 17:00 UTC lagen hauptsächlich über der Moselregion und über den Kantonen Redingen, Diekirch und Vianden (Abb. 7). Punktuell konnten Radarreflektivitäten von bis zu 56 dBZ gemessen werden. 

Abb. 5: Niederschlagsradaranimation 14 bis 17 UTC | © MeteoGroup
Die gemessenen Niederschlagsmengen boten keine Auffälligkeiten, da sich die konvektiven Zellen relativ rasch verlagerten und der absolute Wasserdampfgehalt der Troposphäre nicht besonders hoch war (relativ niedrige PWAT-Werte). 

Abb. 6: 12-stündige Niederschlagsmengen (in mm) 06 bis 18 UTC | © MeteoGroup
Abb. 7: Detektierte Blitze zwischen 12 und 18 UTC | © nowcast GmbH

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